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Living Abroad Travelling

Semester abroad #4: Carolins Auslandspraktikum

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27. Januar 2016

Nachdem Nicole letzte Woche von ihren Erlebnissen in Schottland und England berichtet hat, geht es heute mit Carolin aus Berlin weiter. 2011 hat sie für ihr Studium ein dreimonatiges Praktikum in Spanien gemacht. Vorfreude: eher nicht so. Bilanz: eher gemischt.

Für Carolin ging es im Sommer 2011 für drei Monate nach Torrevieja in Spanien – gezwungenermaßen, denn der Auslandsaufenthalt war für ihr Studium der Romanistikander Uni Osnabrück vorgeschrieben. Statt eines Auslandssemesters hat sie sich für ein Praktikum bei der deutschsprachigen Zeitung Costa Blanca Nachrichten an der Costa Blanca entschieden. Auf ihrem Blog Caros Küche schreibt Carolin über schnelles Essen für Berufstätige. Obwohl das Thema Auslandssemester so gar nicht auf ihren eigenen Blog passt, möchte sie sich mit ihrem Erfahrungsbericht an der Semester abroad Reihe beteiligen.


 

Auslandspraktikum statt Auslandssemester

Mein Auslandsaufenthalt fand zwischen in den Semesterferien zwischen dem zweiten und dritten Mastersemester statt. Ich flog am erste Tag der Semesterferien und kam zwei Tage vor Semesterstart zurück. Hausarbeiten habe ich in Spanien geschrieben und per Mail eingereicht – musste allerdings schon während des Semesters stark vorarbeiten, da ich die Literatur ja nicht einfach mitnehmen konnte.

Semester abroad #4: Carolins Auslandspraktikum - Blick %C3%BCber Torrevieja von meiner Wohnung aus 1024x576

Blick über Torrevieja aus Carolins Wohnung

Warum Spanien?

Ich habe Italienisch und Spanisch zeitgleich studiert. Italienisch hatte ich vorher schon drei Jahre in der Schule und auch als Abiturfach, Spanisch habe ich erst an der Uni gelernt. Ich fühlte mich im Italienischen – nicht zuletzt wegen eines Schüleraustauschs nach Sardinien – sehr sicher, im Spanischen allerdings weniger. Ich wollte mein Studium mit gleichwertige Sprachkenntnissen in beiden Sprachen abschließen und habe mich darum für einen Auslandsaufenthalt in einem spanischsprachigen Land entschieden. Spanien selbst ist es dann aus Kostengründen geworden:
Ich habe Bafög bekommen, hatte nichts Erspartes und musste während des Auslandsaufenthalts die Wohnung in Osnabrück weiter bezahlen. Da wäre ein Flug nach Lateinamerika inkl. Reisepass und allem Zick und Zauber nicht dringewesen.

Warum im Master?

Der Zeitpunkt war eher zufällig gewählt. Im Bachelor hatte ich schlicht und ergreifend keine Zeit zum Planen. Als ich verstanden habe, dass ich ins Ausland muss, waren quasi alle Fristen schon abgelaufen – und letztlich musste ich den Auslandsaufenthalt auch erst bis Ende des Masters nachweisen.
Der Zeitraum zwischen dem ersten und zweiten Mastersemester passte für mich perfekt, weil hier die Masterarbeit noch „in weiter Ferne“ war und ich meine Kurse so gelegt habe, dass ich nur zwei Hausarbeiten schreiben musste – in allen anderen Kursen konnte ich Klausuren schreiben und hatte so die Semesterferien weitgehend freigeräumt. So wollte ich mich voll und ganz auf meinen Auslandsaufenthalt einlassen können.

Warum ein Praktikum?

Ich habe in Osnabrück drei Jahre in einem Studentenwohnheim gewohnt. Wir hatten halbjährlich wechselnde Mitbewohner aus ganz Europa, die ihr Auslandssemester in Osnabrück verbracht haben.
Studiert hat dabei eigentlich keiner. Es wurde getrunken, gefeiert und gelacht. Es gab nicht wenige, die in dieser Zeit ihre Beziehung aufgegeben haben, um ganz und gar „frei“ zu sein.

Das war nicht so ganz das, was ich mir vorgestellt habe. Schließlich war ich erst ein halbes Jahr vorher mit meinem Freund zusammengezogen.

So kam mir auch entgegen, dass ein Praktikum auf drei Monate begrenzt werden konnte, ein Auslandssemester aber meist 5-6 Monate lang war. Ich wollte so kurz wie möglich weg sein.

Praktikumssuche

Einen Praktikumsplatz zu finden war – sagen wir es ehrlich – gar nicht so leicht. Bei meinem Studium war die Definition von „studienrelevant“ sehr weitläufig und unsere Praktikumsbeauftragte konnte mir überhaupt nicht helfen.
Ich habe Museen, Zeitungen und alle möglichen anderen Einrichtungen angeschrieben und letztlich über das berühmte Vitamin B (die Schwester meiner Tante kennt wen, die wen kennt …) den Praktikumsplatz in der Redaktion Süd der Costa Blanca Nachrichten bekommen.
Das ist eine deutschsprachige Zeitung für Residenten in Spanien und hatte den Sitz in Benijófar – einem winzigen Kaff, etwa 15 Kilometer von der Mittelmeerküste entfernt.

Wohnungssuche

Da ich ja trotz aller Skepsis „etwas erleben“ wollte, habe ich mich bei der Wohnungssuche auf die nächstgrößere Stadt Torrevieja konzentriert. Mit knapp 100.000 Einwohnern sollte da ja wohl was los sein. Busse gab es angeblich auch – so würde ich zur Arbeit und zurück kommen.
Über Wohnungsportale habe ich zahlreiche Vermieter angeschrieben und letztlich eine „bezahlbare“ Wohnung (ein Zimmer-Apartment in einer Ferienanlage mit Pool, 10 Minuten bis zur Mittelmeerküste für 300 Euro monatlich) gefunden.
Die Miete musste ich komplett vorab überweisen, Nebenkosten wurden monatlich abgerechnet.
Die Anlage war wirklich in Ordnung, allerdings waren fast nur Urlauber dort.

Finanzierung

Ich habe knapp 250 Euro Bafög bekommen und habe außerdem über das Erasmus-Programm einen Zuschuss beantragt. Das waren noch einmal 250 Euro im Monat, die ich im Voraus erhalten habe. Da ich aber auch die Wohnung im Voraus bezahlen bezahlen musste, war davon schonmal nichts mehr übrig. Außerdem musste ich die Fahrkarte zur Arbeit bezahlen, das waren etwa 100 Euro im Monat.

Nach Adam Riese war dann schon nicht mehr besonders viel Geld übrig – und ich habe tatsächlich einfach sehr, sehr sparsam gelebt. Natürlich habe ich auch hier und da mal etwas Geld von meinen Eltern bekommen, aber Party war schlicht und ergreifend nicht drin.

Semester abroad #4: Carolins Auslandspraktikum - Strand und Einkaufen mehr gab es nicht 1024x576

Strand und Einkaufen – mehr gab es nicht

Erfahrungen im Praktikum

Ich habe das Praktikum ohne jede journalistische Erfahrung bekommen, durfte aber (da die Redaktion nur aus zwei Leuten plus mir bestand) von Anfang an voll mitarbeiten.
Häufig haben wir Meldungen auf Spanisch bekommen, die wir für die Residenten übersetzt haben. Ihr glaubt gar nicht, wie viele Leute in Spanien leben, ohne auch nur ein Wort Spanisch zu sprechen!
Außerdem haben wir aktuelle Themen aufgegriffen und auch kritisch dazu berichtet.

Ich hätte mir gewünscht, auch zu Terminen mitgenommen zu werden, um nicht nur aus mir selbst heraus zu lernen, sondern von erfahrenen Journalisten Techniken „abzugucken“. So war ich beim Arbeiten häufig auf mich allein gestellt, ab und zu haben wir gemeinsam meine Texte kritisch besprochen.

Das Vertrauen, das mir entgegengebracht wurde, gipfelte dann in einem zweiseitigen Beitrag im Kulturresort – den Artikel mag ich nach wie vor.

Freunde und Bekannte – Heimweh

Die Bevölkerung bestand vor allem aus ausländischen Senioren, illegalen Taschenverkäufern am Strand und Familien aus Madrid, die Urlaub am Meer machten.
Außerdem gab es für einige Wochen einen zweiten Praktikanten, mit dem ich mich ein paar Mal getroffen habe.

Freizeitmöglichkeiten gab es kaum – und die schönste Zeit hatte ich, als eine Freundin und mein Freund mich für je eine Woche besucht haben.

Semester abroad #4: Carolins Auslandspraktikum - Wunderschöne Klippen luden zum Spazieren ein 1024x614

Fazit – würde ich es noch einmal machen?

Negative Erlebnisse vergessen wir mit der Zeit und sehen nur noch die positiven Seiten. Trotzdem war ich während meiner Zeit in Spanien oft unglücklich und habe mich allein gefühlt.
Trotzdem habe ich Sachen gemacht, die ich mich vorher nicht getraut habe und bin desöfteren über meinen Schatten gesprungen. Fremde Leute für Interviews anquatschen war vorher der Horror für mich!

Ich brauchte diesen Auslandsaufenthalt und ich würde lügen, wenn ich ihn als gelungen bezeichnen würde.
Trotzdem hat mich diese Zeit geprägt, auch wenn ich froh war, als ich wieder zu Hause war.

Das Wetter war allerdings der Hammer und so oft schwimmen (Pool und Meer) war ich danach nie wieder.
Zum Urlauben ist Torrevieja super – zum Arbeiten war es das nicht.

Semester abroad #4: Carolins Auslandspraktikum - Carolin im Naturpark La Mata Torrevieja 1024x614


Vielen Dank liebe Carolin, dass du dir die Zeit genommen hast, für meinen Blog noch einmal über dein Auslandspraktikum zu berichten!

Du warst im Ausland und möchtest dich auch an dieser Reihe beteiligen? Melde dich gerne in den Kommentaren oder schick mir eine Mail, ich freue mich! (:

 

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2 Comments
  1. Antworten

    Carolin von Caros Küche

    27. Januar 2016

    Danke dir noch einmal für die Möglichkeit, meinen Auslandsaufenthalt etwas „aufzuarbeiten“ 😀

    Ich freue mich auf viele weitere tolle Berichte von erfolgreichen und glücklichmachenden Auslandsaufenthalten 🙂

    Liebe Grüße

    Caro

    • Antworten

      schokokamel

      30. Januar 2016

      Gern geschehen! Ja, ich freue mich auch schon, ich bekomme immer mehr zusammen…:)

      Liebe Grüße,

      Alex

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Alex
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Alex, 26, is a Dutch/German blogger living in Munich.

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