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Living Abroad Travelling

10 Dinge, die ich in Holland gelernt habe

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1. August 2015

Nach drei Jahren (zugegeben, 6 Monate davon habe ich in Brüssel gewohnt) gehe ich jetzt wieder ins Ausland. Zur Zeit weiß ich noch nicht ganz genau, wo es nach dem Auslandssemester in Dänemark für mich hingehen wird, aber der Plan ist: erstmal zumindest nicht wieder nach Holland. Das heißt, dass es an der Zeit ist, einmal aufzuzählen, was ich in Holland so alles gelernt habe.

1. Die holländische Kultur ist ganz anders als die Deutsche. Früher war mir das nie so bewusst – ich hatte ja immer schon Familie in Holland und war oft in den Ferien dort, oder auch mal ein Wochenende, wir haben ja nie weit von der Grenze entfernt gewohnt. Aber erst, als ich tatsächlich nach Enschede gezogen bin, ist mir klar geworden, wie groß der Unterschied zwischen den beiden Kulturen tatsächlich ist.

2. Wenn man mit dem Fahrrad unterwegs ist, hat man IMMER Vorfahrt. Oder zumindest fast immer. Kontaktschleifen im Boden vor Ampeln? Auf holländischen Fahrradwegen Normalzustand. Sobald man drüber fährt, schalten an kleineren Kreuzungen direkt alle Ampeln für Autos auf rot und Fahrräder aus allen Richtungen dürfen gleichzeitig über die Straße. Sehr praktisch, und wirklich etwas, das ich vermissen werde.

3. Niemand würde hier in Holland auf die Idee kommen, eine große Wasserflasche aus dem Supermarkt mit zur Uni zu nehmen. Kleine Plastikflasche, die man auf der Toilette am Kran wieder auffüllen kann reicht doch vollkommen aus! Das hängt ebenfalls mit den Kulturunterschieden zusammen – und es war sehr amüsant, als unsere Dozentin für Cultural Management in der ersten Stunde in den Raum kam und anhand der auf den Tischen stehenden Wasserflaschen die deutschen Studenten identifiziert hat.

4. Kinder brauchen keine Fahrradhelme. Generell habe ich hier glaube ich noch kein Kind gesehen, dass beim Fahrradfahren einen Helm auf dem Kopf hatte. Kindersitze hinten auf dem Fahrrad gibt es auch nur, bis das Kind von alleine sitzen bleiben kann. Dann reichen zwei Fußstützen und der Gepäckträger. Oder die Füße werden einfach in die Fahrradtaschen gesteckt, das ist hier auch keine Seltenheit.

5. Wenn einmal Sommer ist, dann ist es auch Sommer. Vor allem in Wohngebieten. Was ich damit meine: sobald die Temperaturen einmal über 22 Grad gestiegen sind, werden die T-Shirts, kurzen Hosen und Sandalen rausgeholt. Und die trägt man dann auch mindestens eine Woche lang, auch wenn die Temperaturen am nächsten Tag wieder auf gefühlt minus 3 Grad gesunken sind. Sommer ist, was in deinem Kopf passiert.

6. Über Pferdefleisch in Lasagne und Zutaten, vor denen die Packung Verbraucher nicht eindeutig warnt, können Holländer nur schmunzeln. Eigentlich liest sowieso kaum jemand, was alles drin ist, und vielleicht möchte man das bei Frikandel, Kroket und co auch lieber gar nicht wissen.

7. Drei Küsschen zur Begrüßung. Egal mit wem. Und wehe, es ist einer weniger. Seitdem ich hier in Holland wohne, bin ich ständig verwirrt, wem ich jetzt wie viele Küsschen zu geben habe.

8. Auf einem Geburtstag gratuliert man jedem, nicht nur dem Geburtstagskind. Mir wurde zum Beispiel auf dem Geburtstag meiner Schwiegereltern in Spe genauso gratuliert wie ihnen selbst. Herzlichen Glückwunsch, aber was habe ich damit zu tun, dass die Geburtstag haben? Mein Freund wurde auch entsprechend komisch angeschaut, als er an meinem Geburtstag meinen Eltern und meiner Oma gratuliert hat. Den Sinn habe ich immer noch nicht verstanden.

9. Auf dem Gästeklo hat ein Geburtstagskalender zu hängen. Und irgendwo liegt ein Stift, damit man sich eintragen kann. So vergisst man wenigstens keinen Geburtstag mehr – sehr praktisch.

10. Holländer schauen NIE bei anderen Leuten ins Wohnzimmer, obwohl man im Vorbeilaufen wirklich bei JEDEM Haus die Gelegenheit dazu hat. Die Fenster zum Wohnzimmer liegen in fast immer zur Straße hin und sind groß und man kann einmal quer durch’s Haus in den Garten gucken. Aber Holländer interessiert das rein gar nicht – die laufen an einer langen Häuserreihe vorbei, ohne den Blick auch nur ein einziges Mal nach rechts oder links schweifen zu lassen. Und dabei achten alle so penibel auf eine schöne Deko im Fenster, dass es eigentlich richtig dazu verleitet, hinzuschauen – ich muss mich manchmal immer noch zwingen, geradeaus zu gucken und nicht in die Fenster die tatsächlich teilweise wie Schaufenster aussehen.

 

 

 

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6 Comments
  1. Antworten

    Candy

    1. August 2015

    Wahnsinn! Dass wir doch so unterschiedlich sind, hätte ich nie gedacht. Dann bin ich mal auf den Dänemark-Kulturvergleich gespannt 😉

    • Antworten

      schokokamel

      1. August 2015

      Ich auch nicht, vor allem, weil ich ja mit beiden Kulturen aufgewachsen bin…und ich bin auch schon sehr gespannt, was ich da alles so lernen werde 😀 Falls dich die Kulturvergleiche interessieren, kannst du auch gerne mal in der Kategorie „10 Dinge“ schauen, da gibt es den gleichen Post auch noch mal zu Brüssel, Paris & Japan 🙂

  2. Antworten

    Shaoshi

    4. August 2015

    Vergiss bloß nicht, dass du das ganze Zeug dann von Dänemark auch wieder zurückschleppen darfst. Das summiert sich dann bestimmt ganz schön, wenn du noch ein paar mal was „nachgeliefert“ bekommst oder selber noch was nach Dänemark holst …

    Ich bin damals mit zwei Koffern nach China gekommen – da waren nur Lieblingsstücke drin (hauptsächlich Kleidung und ein paar liebste Bücher und DVDs/CDs). Ich fand das unglaublich befreiend, aber heute trauere ich trotzdem zwei oder drei Teilen nach, die ich damals nicht mitgenommen habe. Und die sind ja jetzt weg, ich habe sie weggegeben … Na ja, man überlebt’s …

    • Antworten

      Shaoshi

      4. August 2015

      Mist. Der Kommentar sollte eigentlich in den Artikel, was man für 6 Monate packen soll …

      Und hier sollte stehen:

      Das hätte ich jetzt auch nicht erwartet, dass die Kulturunterschiede zwischen den beiden Ländern so groß sind.

      Obwohl ich Deutsche bin, ist mir aber auch nicht klar, warum man so große Flaschen mitschleppt … Aber lustig, dass man daran die Nationalität ablesen kann 😀

      LG
      Shaoshi

      Sorry für das Chaos, das Internet hat gerade extrem gezickt …

      • Antworten

        schokokamel

        4. August 2015

        Haha, kein Problem! Hatte ich mir aber schon irgendwie gedacht…ich antworte mal der Reihe nach 😀

        Also die Kulturunterschiede waren mir vorher nie so richtig bewusst. Nur halt, dass es in Holland Dinge zu essen (und zu kaufen) gibt, die es in Deutschland nicht gibt und darum sind wir als ich kleiner war immer über die Grenze und haben da eingekauft bei so nem coolen Einkaufszentrum mit Spielplatz, das es tatsächlich immer noch gibt (aber mittlerweile ist es da immer voll leer). Aber auch in der Uni hat man das echt gemerkt. In Deutschland ist es ja generell so, das jeder gute Noten haben will (also zumindest ist das ja meistens irgendwie das Ziel) und hier ist es generell eher so: mit 6/10 habe ich bestanden, alles dadrüber ist vergeudete Energie. Und wer mit genau 5.5/10 besteht (alles dadrunter ist durchgefallen) wird übelst gefeiert. Da kam es bei uns auch zu einigen Unstimmigkeiten in der Klasse am Anfang bei Gruppenarbeiten 😀

        Und zu dem anderen KOmmentar, der eigentlich unter den anderen Post gehört: ich weiß. Ich war ja schon zwei mal im europäischen Ausland für 6 Monate und habe verhältnismäßig diesmal weniger mit als die letzten beiden Male. Nur bei den Büchern sind es deutlich mehr geworden, einfach weil ich noch ein paar Rezensionsexemplare habe und ich jetzt schon weiß, dass ich da mehr Freizeit haben will weil kein Nebenjob und weniger Fächer an der Uni. Und ansonsten ist es nur so viel, weil ich mein Bettzeug mitnehme…aber in meinen kleinen Ford Fiesta passt das Gepäck von mir und dem Mädel, das ich mitnehme locker rein. Und generell ist auch der Plan, dass ich im Dezember heim fahre und dann schon einiges wieder mit zurück nehme. Sollten wir danach irgendwohin ziehen, wo ich nicht alle meine Besitztümer mitnehmen könnte (ich will dazu jetzt mal noch nichts sagen, so lange ich es selber nicht weiß), würde ich Bücher, DVDs und einige unserer Möbel bei meinen Eltern auf dem Dachboden lagern können. Die Kleidung, die ich nicht mitnehmen würde, würde ich dann aber auch weggeben…aber bei meinen Büchern würde ich das nicht übers Herz bringen. Aber egal, was es werden wird, generell möchte ich nach ein paar Jahren wieder hier in die Gegend zurück kommen, von daher ist das vllt auch was anderes als bei deiner Auswanderung 🙂

        Liebe Grüße 🙂

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Alex
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Alex, 26, is a Dutch/German blogger living in Munich.

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